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07.12.2009

Zahlen und Fakten zum Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution

Ca. 2,4 Millionen Frauen, Männer und Kinder werden laut einer Studie der International Labour Organisation (ILO) weltweit Opfer von Menschenhandel. Und das jedes Jahr!

Wie sieht die weltweite Lage aus?

Ca. 2,4 Millionen Frauen, Männer und Kinder werden laut einer Studie der International Labour Organisation (ILO) weltweit Opfer von Menschenhandel. Und das jedes Jahr! Die dadurch erzielten Profite werden auf 32 Milliarden US-Dollar geschätzt. Dabei werden die höchsten Gewinne in den Industrieländern erzielt... Die EU geht von rund 140.000 in die EU gehandelten Frauen pro Jahr aus.

Wie sieht die Lage in Deutschland aus?

In Deutschland geht die Studie von 15.000 Menschen aus, die Zwangsarbeit leisten. Davon sind ca. 90 Prozent Frauen, die allermeisten aus Mittel – und Osteuropa.

Das Bundeskriminalamt (BKA) der Bundesrepublik Deutschland gab die Zahl der Opfer von Zwangsprostitution für das Jahr 2004 jedoch mit nur 972 Opfern an!!! Denn nur die wenigsten Fälle werden geahndet, da die meisten Opfer keine Aussage gegen ihre ZuhälterInnen machen wollen bzw. können.

Einige Menschen werden verschleppt, andere unter falschen Versprechungen nach Deutschland eingeschleust. Hier werden sie festgehalten und unter psychischer und physischer Gewalt oder Gewaltandrohung zur Prostitution gezwungen. Andere wissen vorher, was für eine Arbeit sie hier erwartet. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Notlage sehen sie aber keinen anderen Ausweg. Zum Teil verschulden sie sich so hoch, dass sie in totale Abhängigkeit bei ihren Schleppern geraten. Manche haben „normale“ Zuhälter, andere brutale, die ihren Lohn einbehalten, Art und Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs bestimmen, sie verprügeln und/ oder vergewaltigen.

amnesty journal März 2008, Gastkommentar: Ein lukratives Geschäft, Ulrike Helwerth

Ist Frauenhandel gleich Frauenhandel?

Man kann Frauenhandel in drei Unterkategorien einteilen:

  • den Handel in die Prostitution
  • den Handel in die Ehe
  • den Handel in illegale Beschäftigungsverhältnisse.

Mehr zu diesem Punkt finden Sie unter: http://www.terre-des-femmes.de/

Welche Links gibt es zu diesem Thema im Internet?

http://www.solwodi.de Der Verein SOLWODI hilft Frauen, die als Opfer von Menschenhändlern, Sextouristen und Heiratsvermittlern nach Deutschland gekommen sind. SOLWODI kümmert sich um Migrantinnen, sowohl illegale wie auch legale, die Opfer von Menschenhandel geworden sind.

http://www.terre-des-femmes.de/ TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Frauen und Mädchen, die durch internationale Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit, Aktionen, Einzelfallhilfe und Förderung von einzelnen Projekten Frauen und Mädchen unterstützt.

http://www.jadwiga-online.de/ Die Fachberatungsstelle JADWIGA setzt sich für die Rechte der Opfer von Frauenhandel ein. Sie bietet umfassende Unterstützung und Hilfen für die Betroffenen in Krisensituationen an.

http://www.ecpat.net/eng/index.asp (Kinderprostitution) ECPAT is a network of organizations and individuals working together for the elimination of child prostitution, child pornography and trafficking of children for sexual purposes.

http://www.ex-oriente-lux.org/ Als ein sehr einzigartiges Projekt füllt "Ex Oriente Lux" eine Lücke - denn wir wollen hier Erfahrungsberichte aus erster Hand sammeln - Zeugenaussagen der Opfer, aber auch der Täter. "Ex Oriente Lux" ist aktiv für diverse Nichtregierungsorganisationen (NGOs) tätig, die es sich zum Ziel gemacht haben, Opfern der Zwangsprostitution zu helfen.

http://www.sage-es.cz/ Wie fühlt man sich als Opfer von Menschenhandel? Wie erkennt man, dass Menschenhandel vorliegt? Menschenhandel in Tschechien und in der Welt. Diese und weitere Themen sind Gegenstand der neuen Webseite "Gemeinsam gegen Menschenhandel", eine Aufklärungskampagne der IOM (Internationale Organisation für Migration), La Strada und der Caritas der Erzdiözese Prag – Projekt Magdala.

http://www.iom.int/ IOM is committed to the principle that humane and orderly migration benefits migrants and society. After half a century of worldwide operational experience, IOM has become the leading international organization working with migrants and governments to provide humane responses to migration challenges. The partners of IOM span a wide range of international and non-governmental organizations.

Was berichten Opfer über ihre Zeit der Zwangsprostitution?

Anna aus Moldavien: "Du existierst nicht als Mensch. Wenn Kunden kamen, mussten wir schön sein, charmant... Sagen, dass es uns gut geht. Gott behüte, der Kunde merkt, dass wir Angst haben oder über unser Unglück sprechen. Nein, das geht nicht. Wir hatten dazu kein Recht. Wir waren die glücklichsten Menschen auf der Welt: offiziell. Wer weiß, vielleicht schickt er auch Kunden aufs Zimmer, die dich aushorchen. Wenn Kunden gefragt haben 'Wie geht es Dir hier?', wer sagt mir, dass es nicht ein Freund des Chefs ist? Wer weiß das? Wer weiß das!? Sehr gut. Wir sind glücklich - auf der Oberfläche. Wenn Kunden fragen: 'Seid ihr nicht unglücklich hier?' - 'Nein, gut geht’s uns, gut...' (schluchzt). So ist es nämlich."

http://www.gegenfrauenhandel.de/freier.php

Vera: "Als ich 12 war, versuchte mich mein Vater zu vergewaltigen. Mit 17 bin ich zur Oma in die Ukraine abgehauen. Dort habe ich eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht. Meine kleine Schwester landete in Petersburg auf dem Strich. Ich wollte ihr gerne helfen. Da wurde mir ein Job in Deutschland angeboten. Das ist die Lösung, dachte ich. Ich werde von dem verdienten Geld eine Wohnung kaufen und helfe meiner Schwester. Ich wurde in eine kleine Stadt in Deutschland gebracht. Ich wurde für eine Bar angeworben. Aber die Bar stellte sich als Bordell heraus. Acht Monate musste ich in dem Bordell verbringen. Die Zuhälter behandelten uns sehr schlecht. Wir erhielten kein Geld. Es war verboten, auf die Straße zu gehen. Wir durften nicht einmal die Fenster öffnen. Es war verboten, sich laut zu unterhalten. Wir wurden so streng bewacht, dass eine Flucht unmöglich war. Die Polizei rettete uns. Im Februar 1998 wurde eine Razzia in illegalen Bordellen gemacht. Ich wurde in einem Frauenhaus untergebracht. Diese Zeit im Bordell hatte mich völlig verändert. Ich hatte Angst, Licht zu machen. Ich blieb in meinem Zimmer und verließ es nicht. Ich hatte Angst vor der Freiheit. In diesen acht Monaten hatte ich meine Ausstrahlung verloren... Meine Gesundheit. Die Frauen aus dem Frauenhaus und Mitarbeiterinnen einer Beratungsstelle, die es für Fälle wie meinen gibt, haben mir sehr geholfen. Mit Hilfe dieser Menschen habe ich mich von den Ereignissen der Vergangenheit erholt. Ich schreibe das alles auf, weil ich Mädchen warnen möchte, auf ähnliche zweifelhafte Angebote hereinzufallen. Wiederholt meine Fehler nicht!"

http://www.gegenfrauenhandel.de/typische_opfer.php